Brezel-Kapitän (oder im Pontonboot in Seenot)

moin,

unser Trip zur Tarpon Point Marina war erfolgreich. Wir haben für 2 Tage ein Ponton Boot gemietet. Das das so einfach geht, wenn man bereit ist den Preis zu zahlen. Wir bekamen am nächsten morgen eine kurze Trockeneinweisung und ein paar Seekarten von Christa und los ging es Richtung Sanibel. Das war echt wunderbar. Das erste Mal mit einen so großen Boot (ja für uns war es groß) auf fast offener See.

 An diesem Tag wollten wir eine längere Tour machen und sind immer am Strand lang bis nach North Captiva gebootet. An einen unbewohnten Eiland haben wir eine Strandpause gemacht und gepicknickt. Brezelchen hatte richtig Spaß und als sie müde wurde, hat sie es sich unter Handtüchern auf der Sitzbank gemütlich gemacht und hat geschlafen. Stundenlang, auch wenn ich mal schneller gefahren bin und der Seegang mal ein wenig höher war.
Das Pontonboot ist für die offene See eigentlich gar nicht vorgesehen, aber das Wetter hat mit gespielt, und so hatten wir einen gelungenen Bootmietauftakt. Abends sind wir noch ein wenig durch die Kanäle geschippert und haben an unserem Bootssteg festgemacht. Ich habe sogar daran gedacht der Leine ein wenig spiel zu lassen, damit die Tide ausgeglichen werden kann. Allerdings erst, nach ein paar Stunden, wo das Seil schon ziemlich stramm war.

Am nächsten morgen sind wir dann früh hoch, haben Sandwiches vorgereitet und sind mit gepackter Kühltasche rauf auf unser Boot. Ach - das leben ist echt ein Traum. Man glaubt es fast nicht, wie sehr man sich beim ersten Mal in dieser Situation fühlt. Wir waren echt be_geis_tert. Wie beim betreten des ersten USA Miethauses, war auch dies, ein nicht wiederholbares Erlebnis.
Wir sind als ersten noch ein wenig tiefer in die Kanalwelt von Cape Coral eingetaucht. Wir merkten aber bald das der Reiz einer solchen Tour, von kurzer Dauer ist. Aus diesem Grund nahmen wir Kurs auf den nächsten Fehler des Tages. Wir wollten die Tour von gestern wiederholen, aber auf der Innenseite von Sanibel und Captiva. Das erschien uns als eine abwechselungsreiche Alternativroute. Außerdem hatten wir heute nicht bis in die Puppen Zeit, denn das Boot sollte um 05:00pm wieder in der Marina sein.
Die Fahrt war natürlich auch schön, aber kein Vergleich zur Strandseite mit dem offenen Meer. Der Pine Island Sound ist auch echt breit hier und der Weg zog sich unspektakulär in die Länge. Als wir endlich unter der Hochspannungsleitung durch waren, hatte ich eigentlich schon keine Lust mehr, aber jetzt aufgeben war auch doof. Tja, so ein Ponton ist halt kein Speedboat. Durch Fehler lernt man ... und wir lernten noch mehr.

Wir lernten, dass man schnellstens umdrehen sollte, wenn sich am Horizont ein Gewitter zusammenbraut. Irgendwo am nördlichen Zipfel von Sanibel merkten auch wir, dass das Gewitter uns erreichen würde. Wir nahmen auch zur Kenntnis, dass alle anderen Boote schnell in die Marinas reinfuhren. Es kam kein Boot mehr rausgefahren.
Auf dem Sound jagten alle in Richtung der Marinas. Naja, denn jagen wir wohl mal auch besser Richtung CC. Wie gesagt ist das jagen mit einem Ponton so eine Sache. Das die anderen wirklich rasen können und mit den daraus entstehenden Wellen uns fast umwarfen, machte die Sache nicht angenehmer. Der Wind nahm zu, die Wellen wurden immer höher und es fing an sintflutartig zu regnen.
Brezelwoman und die kleine waren nicht begeistert, das die Gischt und die Wellen über das Deck schwabten. Sie bauten sich eine Handtuchhöhle unter einer Decke und ich kämpfte mit den Umständen. Ich versuchte die Wellen so zu nehmen, das wir drüber schaukeln konnten und die Dinger uns nicht frontal hochhoben. Die beschichtete Sperrholzplatte die das Deck darstellt meinet ich machmal ganz schön stöhnen zu hören.
Zu meiner "Belustigung" war die Tankanzeige bei dem gerase und geschauckel auch nicht mehr so richtig zuverlässig. Jedenfalls ging die Anzeige rapide in Richtung roten Bereich... na eigentlich war sie schon im roten Bereich. Ich hatte noch nie getankt und hatte vor dieses in Ruhe bei der Marina zu lernen. Doch Ruhe war nix und eine andere Tanke wie die bei der Tarpon Point war mir nicht bekannt.

 Es war an der Zeit Christa anzurufen. Die macht sich sicher schon Sorgen. Ich kam mir vor wie der Funker eines in seenot geratenen Frachters, kurz vor dem Untergang. Die Wellen rollen übers Deck. Die Gischt peitscht mir ins Gesicht. Ich versuche die Nummer zu wählen, während ich mir andauernd das Salzwasser aus den Augen wischen muss. Da ... ein tuten im Hörer. Christa nimmt ab. Ich versuche ihr möglichst sachlich, über den Sturm hinweg schreiend klarzumachen, dass es uns gutgeht und wir gleich reinkommen.
Als wir Pine Island links hinter uns gelsaasen haben, wurden die Wellen ruhiger und der wind lies etwas nach. Die anderen Boote machten auch keine Wellen mehr, weil es keine anderen Boote mehr draussen gab. Es regnete zwar noch Bindfäden, aber das schlimmste war überstanden. Vieleicht war es auch nicht so schlimm, wie es sich anhört, aber so haben wir es empfunden. Evtl. wars aber sogar schlimmer.
Brezelwoman hat mir verraten, dass Sie machnmal leichte Zweifel hatte, ob wir da heil rauskommen, wenn ich erhrlich bin....ich auch.

Ende gut - alles gut. In der Marina erwartete uns eine pitschnasse Christa am Steg. Ich brauchte nicht einparken, ich konnte direkt vorne festmachen. Tanken und einparken würden sie später machen, wir sollten mal schnell reinkommen. Wir wurden in Handtücher gewickelt und ein wenig umsorgt. Hatten die etwa Angst um uns??? Wieso das denn? Ich hatte doch ständig alles unter Kontrolle.

Wir haben im nächsten Jahr übrigens wieder dieses Ponton gemietet und hatten tolle Touren. 2009 sind wir dann mit einem richtigem Boot mit 5Liter, 300PS Innenborder gefahren. Ich kann jedem nur empfehlen mal ein Boot zu mieten, wenn es die Urlaubskasse zulässt. Man lernt halt immer dazu.